Das Vinxtbachtal

Die Nonne auf der Geldkiste

Rubrik: Sagen & Legenden

Orte: Dedenbach – Waldorf

Ehemals soll an der Straße von Dedenbach nach Waldorf, an der Abzweigung nach Königsfeld, ein Frauenkloster gestanden haben. Noch bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts, so behaupteten die älteren Leute, seien dort die Überreste der Brunnenanlage zu sehen gewesen sein.

In diesem Kloster soll einst eine besonders geizige und hartherzige Nonne gelebt haben. Während sonst stets den Armen und Notleidenden geholfen wurde, die an die Klosterpforte klopften und um eine Gabe baten, wies diese Nonne alle Bittenden unbarmherzig ab, so dass ihre für eine Ordensfrau ungewöhnliche Hartherzigkeit schon bald in der ganzen Gegend bekannt wurde. Das empörte die Menschen umso mehr, weil in diesen Zeiten jeder Mühe hatte, sich das tägliche Brot zu beschaffen.

Eines Morgens ging ein Bauer aus Dedenbach nach Waldorf. Als er zu der Brücke gelangte, die über den Vinxtbach führte, erschrak er plötzlich, denn vor ihm am Wegrand wurde im Morgennebel eine Frau sichtbar, die, in Nonnengewänder gehüllt, auf einer hölzernen Geldkiste saß. Als der Mann näherkam, begann sie zu flehen und zu jammern, er möge ihr doch die Kiste öffnen, die mit wertvollem Geschmeide gefüllt sei. Nur dann könne sie erlöst werden.

Zitternd flüsterte die Nonne dem Mann zu, der Schlüssel zu dem Schloss sei unter der Kiste zu finden. Doch in ihrer großen Erregung vergaß sie ihm zu sagen, dass der Schlüssel von einer wachsamen Schlange verteidigt werde.

So begann der Mann ahnungslos mit dem Versuch, den Schlüssel unter der Kiste hervorzuholen. Doch kaum hatte seine Hand sich dem Kistenboden genähert, da zischte die schuppige Bestie ihm drohend entgegen, und ihre langen Giftzähne verfehlten seine Hand um Haaresbreite.

Nachdem der Mann sich vom ersten Schrecken erholt hatte, unternahm er noch weitere Versuche, der Schlange den Schlüssel zu entreißen. Doch die List und die Gefährlichkeit des Tieres waren stärker als der Mut des Mannes

Da erklang das helle Geläut der Morgenglocken aus dem nahen Dedenbach, und sogleich rannen Tränen über die Wangen der Nonne. Schluchzend erklärte sie dem Bauern, dass nun der Zeitpunkt ihrer Erlösung in weite Ferne gerückt sei. An dieser Stelle werde eines Tages eine Krähe eine Eichel fallen lassen, und aus ihr werde eine Wiege gezimmert werden. Das erste Kind, das in dieser Wiege liege, soll dann den Fluch, der auf der Nonne laste, von ihr nehmen und sie so erlösen.

Bis zum heutigen Tage ist an dieser Stelle keine Eiche gewachsen….

Aus: Sagen und Legenden der Eifel, J.P.Bachem Verlag, Köln, 1983, freie Textanpassungen und Ergänzungen