Das Vinxtbachtal

Die feurigen Kutschen

Rubrik: Sagen & Legenden

Orte: Dedenbach – Königsfeld

Im Dedenbacher Land erzählt man sich Sagen von feurigen Kutschen, die in manchen Nächten durch die Lande rasen. Sie sollen von guten, manchmal aber auch von bösen Geistern gelenkt werden.

Den guten Geistern schreiben die Bewohner von Dedenbach zu, daß die Landstriche, die die Kutsche durchfährt, mit Feldfrucht besonders reich gesegnet sein sollen. Von demsagenumwobenen Kloster bei Dedenbach, in dem eine hartherzige Nonne lebte, führte eine Strasse durch die Dedenbacher Gemarkung. Die Fortsetzung dieser Straße, die mit Grauwacke gepflastert war, berührte wahrscheinlich die Königsfelder Burg. Auf dieser Wegstrecke will ein Schäfer, der sich hier mit seiner Herde niedergelassen hatte, um Mitternacht eine feurige Kutsche in rasender Fahrt gesehen haben.

Eine andere rollt bisweilen nachts von der Olbrück zum Rodder-Maar über Dedenbach nach Königsfeld. Mit ihr hatten zwei Dedenbacher Männer einst eine unheimliche Begegnung. Am Abend des Allerheiligentages, der in der ganzen Eifel mit Spuk- und Geistergeschichten in Zusammenhang gebracht wird, wollten die beiden von Königsfeld nach Hause wandern. Die Nacht war ruhig und klar. Plötzlich jedoch hörten sie hinter sich die Geräusche eines Fuhrwerks und waren erfreut, zu so später Stunde noch jemanden unterwegs anzutreffen. Insgeheim hofften sie auch mitgenommen zu werden, um bald den heimatlichen Ort zu erreichen. So gingen sie dem Fuhrwerk froh entgegen. Doch schon bald überfiel sie Schrecken, ja Entsetzen, denn ein feurig glühendes Pferdegespann raste mit ohrenbetäubendem Lärm an ihnen vorbei. Wo die gewaltigen Räder der Kutsche den Boden berührten, sprangen rote und grüne Funken über den Grauwackebelag des Weges. Das Getöse, der ungewohnte Anblick und der Schrecken in finsterer Nacht waren mehr, als die beiden Männer ertragen konnten. Der eine rannte wie besessen und laut schreiend auf ein Feld, der andere vermochte sich eine Zeitlang nicht von der Stelle zu rühren. Er war damals noch jung, doch die Ereignisse jener Nacht hatten ihn um Jahrzente altern lassen. Seine Haare waren seitdem ergraut, und sein Gesicht war von tiefen Falten zufurcht.

Aus: Sagen und Legenden der Eifel, J.P.Bachem Verlag, Köln, 1983